Wo keine Liebe ist, kann kein Friede sein.

Mit einem einfühlsamen Programm für ein paar Stunden „staade Zeit“ vermitteln gelang den Rosserern mit ihrer diesjährigen Stallweihnacht. Überaus zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit der traditionsreichen Veranstaltung am Vereinsgelände der „Pferdefreunde am Wendelstein“ am Brainpold zwischen Bad Feilnbach und Lippertskirchen gelegen, beizuwohnen.
Mit reichlich Hingabe und Liebe, auch dem Zweck der heimatverbundenen Gemütlichkeit entgegen zu kommen, hatten die Mitglieder um Vereinsvorstand Georg Karosser ein angenehmes Ambiente zur Freude der Gäste geschaffen. Dazu gehörten Kutschfahrten, ein Stall mit Schafen und zwei reizenden Eseln, sowie Buden aus denen erwärmende Getränke dampften und aus Pfannen heiße Kässpatzen oder Bratwürste zum Verkosten einluden. Kinder begeisterten sich im Beisein ihrer Eltern beim Stockbrotbacken am offenen Feuer. Romantischer wäre es nach den Vorstellungen der Organisatoren natürlich mit etwas Schnee gewesen.
Für innere Ruhe sowie Behaglichkeit von Geist und Seele sorgte der kulturelle Rahmen zusammengestellt von Anneliese Forster. Dazu gehörten die Auer Bläser, die mit herrlichen und sanften Weisen viele Herzen erfreuten. Ebenso die Geschwister Forster, begleitet von Petra Obermüller an der Zither begeisterten mit besinnlichen Gesängen. Höhepunkt war jedoch ein zum Nachdenken anregendes Hirtenspiel aus der Feder von Karl Wiedemann aus Schliersee, der sich auch um eine ansprechende Inszenierung bemühte.
Überzeugende Leistung mit klarer und deutlicher Ausdruckskraft boten alleinig die vier Hirtenkinder, Vreni (Verena Weiß), Toni (Toni Weiß), Sophie (Sophia Desl) und Loisl (Luis Pulfer) ebenfalls aus dem Oberland stammend.
Ihre Geschichte passt nicht nur in die Zeit der Geburt des Messias, sondern ist allgegenwärtig. Auslöser waren zwei reißende schwarze Hunde, welche eine Schafherde der jungen Hirten in alle Himmelsrichtungen vertrieben. Ängste vom Geschehenen und von Bauern, denen nichts Recht zu machen sei, auch mit Anspielungen auf die Landwirtschaftspolitik gegen Alm- und Flachlandbauern, kamen in deutlich zum Ausdruck. Klagend äußerten sich die Kinder auch über fehlende Gemütlichkeit im Elternhaus mit Streit, Arbeitsüberlastung, Misstrauenskultur und Alkoholproblemen. Enttäuscht mit der Feststellung „Wo koa Lia bis, ko aa koa Friedn sein“ (Wo keine Liebe ist, kann es keinen Frieden geben) gab sich Vreni, als deren Mutter aus angeblichen Platzgründen zwei Herbergssuchende wegschickte.
Hoffnung sahen die vier Hirtenkinder im hellen Stern, der von der Geburt des Heilands als Hoffnungsträger, der Frieden gibt und das Böse vertreibt, kündet.
Applaus um den würdigen Rahmen zusätzlich zu bereichern gab es langanhaltend zusammen mit einem Andachtsjodler erst am Schluss.

P. Strim